Offizielles Seemannsgarn

Eine ganz besondere Homepage

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Eigentlich wollte ich dieses Blog nicht dafür nutzen, ständig den Landesverband Nordrhein-Westfalen der Piratenpartei zu kritisieren. Auch mir ist klar, dass wir momentan unsere gesamte Energie in den Wahlkampf stecken müssen. Aber das Thema, das ich nachfolgend darstellen werde, kann ein echtes Problem für uns werden, welches unter Umständen auch Wählerstimmen kosten wird. Erschreckend daran ist, dass es nur durch die Uneinsichtigkeit von Einzelpersonen zustande kommt.

Es hat sich zum wiederholten Male gezeigt, dass die Piratenpartei ein Problem mit ihrer IT-Infrastruktur hat. Wie leider schon oft, waren gestern Abend und über den heutigen Tag die Server der Piratenpartei nicht erreichbar. Arbeiten im Wiki war nicht möglich und ich saß den ganzen Tag auf einer fertigen Pressemitteilung, die ich eigentlich am Morgen verschicken wollte. Dies war leider unmöglich, da auch www.piratenpartei.de nicht zum Veröffentlichen des Textes bereitstand und die nicht laufenden Mailserver mich am Verschicken hinderten.

Da ich die Hintergründe dieser Totalausfälle kenne, möchte ich an dieser Stelle in keiner Art und Weise die Piraten kritisieren, die für die Server verantwortlich sind. In Anbetracht der vorhandenen Kapazitäten leisten sie wirklich großartige Arbeit und versuchen, aus einer völlig unterdimensionierten Ausstattung das Maximum herauszuholen. Es gibt viele Ideen, wie diese Situation verbessert werden kann, aber das soll nicht Thema dieses Artikels werden.

Die Probleme einer Internetpräsenz

Heute geht es mir ausschließlich um den Landesverband Nordrhein-Westfalen, dessen Hauptinternetpräsenz auf einer Wikistruktur basiert, die auf den Servern des Bundes liegt. Zunächst stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn es hat, für diese Homepage eine Wikistruktur zu nutzen, da andere Landesverbände dafür statische Seiten auf eigenen Servern verwenden.

Die offizielle Begründung ist einfach und in gewisser Weise auch absolut nachvollziehbar. Wir Piraten sind eine Mitmachpartei und jeder Pirat soll die Möglichkeit haben, aktiv die Inhalte der Webseite zu gestalten. Dafür bietet natürlich das Wiki eine geeignete Basis. Allerdings beinhaltet diese Idee gewisse Schwachstellen.

Es ist davon auszugehen, dass der Zugriff auf www.piratenpartei-nrw.de und auf andere Strukturen der Piratenpartei in der Wahlkampfzeit stark ansteigen wird. Leider ist aufgrund dieser größeren Last und der mangelnden Infrastruktur auch mit erneuten Ausfällen der Server zu rechnen. Dem interessierten Wähler wird sich dann ein Bild bieten, wie es heute den ganzen Tag auf der Homepage der NRW-Piraten zu sehen war:

www.piratenpartei-nrw.de - Fehler 500

Das kann natürlich jeder Partei passieren, aber sind wir nicht die, die mit herausragenden IT-Fachleuten glänzt. Der Durchschnittsbürger wird sich vermutlich seinen Teil denken. Wenn wir es nicht einmal schaffen, in unserem “Kerngebiet” vernünftig zu arbeiten, wie soll es dann in der Politik aussehen? Eine solche Meinung werde ich auch niemandem verübeln, da wir nicht erwarten können, dass jeder potentielle Wähler weiß und versteht, wie diese Probleme zustande kommen.

Über den Extremfall, dass kurz vor der Wahl die Server nicht laufen, möchte ich jetzt gar nicht nachdenken. Der Wähler hätte keine Möglichkeit, sich im letzten Moment über die Piratenpartei NRW zu informieren. Und bekanntermaßen ist der letzte Tag für viele Unentschlossene der ausschlaggebende Tag.

Aber nicht nur die Zuverlässigkeit der Server stellt ein Problem dar. Jeder Interessierte kann prinzipiell die Inhalte aller Seiten editieren. Wozu dies führen kann, zeigte sich am 15. Februar, als die News-Seite der Piratenpartei Nordrhein-Westfalen über mehrere Stunden durch das folgende Bild verschönert wurde:

www.piratenpartei-nrw.de - Ente

Nun ist diese Ente keine Katastrophe, sondern nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, aber sie zeigt den großen Nachteil des Wikiprinzips.

Bei der am selben Tag stattfindenden Vorstandssitzung des Landesverbandes wurde daher das weitere Vorgehen bezüglich der Homepage besprochen. Leider war von Einsicht eines möglichen Fehlers nichts zu spüren. Die anfängliche Idee, eine statische Seite zu generieren, wie dies von anderen Landesverbänden praktiziert wird, wurde schnell verworfen. Der Thüringer Landesverband bot sogar an, sich um die Erstellung zu kümmern und gegebenenfalls auch die nötigen Serverkapazitäten dafür bereitzustellen.

Stattdessen entschied man sich, auf neuen Servern ein zusätzliches Wahlkampfportal zu schaffen, das nach der Landtagswahl wieder abgestellt wird. Die Hauptseite der NRW-Piraten sollte weiterhin auf der Basis des Wikis erhalten bleiben.

Zwischenzeitlich wurde dann das Design der NRW-Wiki-Seiten verschönert und der Zugriff auf die Editierfunktion der Hauptseite auf wenige Nutzer beschränkt. Damit hoffte man, weiteren “Enten-Attacken” entgehen zu können. Natürlich kam es anders. Kurze Zeit später präsentierte die Hauptseite folgendes Bild:

www.piratenpartei-nrw.de - Braun

Nachdem dann auch die Editiermöglichkeit für die Grafik gesperrt wurde, war die folgende Seite zu sehen:

www.piratenpartei-nrw.de - Liquid Angriffskrieg

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Möglichkeit zum Verändern der Hauptseite nach wie vor besteht, aber das ist auch nicht der Punkt. Diese Attacken haben gezeigt, dass das offene Wikisystem eine viel zu leichte Angriffsfläche für Personen bietet, die nicht nur auf charmante Art und Weise auf das Problem hinweisen wollen.

Was ist die Konsequenz?

Nun haben wir auf der Webseite den Zustand, dass sie nur noch von einem ausgewählten Nutzerkreis editierbar ist. Das Argument der Mitmachpartei wurde somit ad absurdum geführt. Die momentane Situation könnte auch durch eine statische Seite gewährleistet werden, auf der sich nur ausgewählte Nutzer anmelden können. Allerdings könnte diese Seite unabhängig von den Bundesservern auf eigener Hardware betrieben werden. Ein redundantes System wäre leicht umzusetzen.

Die Links der ersten Ebene dieser Webseite könnten ebenfalls auf statische Seiten verweisen. So wäre sichergestellt, dass zum Beispiel das Wahlprogramm jederzeit nachzulesen ist oder sich Informationen über die Kandidaten finden lassen – eben genau das, was einen potentiellen Wähler interessiert.

Die zweite Ebene der Links könnte dann sogar zu den Wikiseiten des Bundes führen. Falls es dort dann zu Erreichbarkeitsproblemen kommen sollte, wären die Auswirkungen für die nordrhein-westfälischen Piraten weniger gravierend.

Ein zusätzliches Wahlkampfportal ist sicher keine schlechte Idee, aber ein unerfahrener Wähler wird nicht danach suchen. Stattdessen gibt er in der Suchmaschine seiner Wahl die Begriffe “Piratenpartei NRW” ein und der erste Link führt ihn nach wie vor zum Wiki des Landesverbandes. Wenn er etwas erfahrener ist, versucht er es in der Adresszeile seines Browsers mit www.piratenpartei-nrw.de. Und wo landet er wohl?

Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund mehr, auf der Wikibasis der Hauptseite zu beharren. Selbst Vorschläge, die Wikiseiten des Bundes auf anderen Servern zu spiegeln und bei Bedarf einzusetzen wurden bisher ignoriert. Mein Blogbeitrag wird sicher nicht dazu führen, dass die Verantwortlichen ihre Meinung ändern, aber ich weiß, dass viele Piraten meine Sichtweise teilen. Daher hielt ich es für wichtig, sie auch öffentlich zu verbreiten.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat, das ich heute im beschriebenen Zusammenhang bei Twitter gelesen und auch weitergesendet habe:

Konsequenz ist, auch einen Holzweg bis zum Ende zu gehen.

 
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Posted in: LV NRW, Piratenpartei, Wahlkampf

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