Offizielles Seemannsgarn

Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

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Ich habe wirklich sehr lange nachgedacht und mit vielen Piraten und Nichtparteimitgliedern gesprochen. Vor einer endgültigen Entscheidung wollte ich mir absolut klar darüber sein, ob es auch die richtige ist. Einige werden schon ahnen, worum es geht. Mein Geburtstag wird dieses Jahr etwas anders verlaufen als es in den letzten Jahren der Fall war. Leider kann ich ihn nicht mit meiner Familie feiern, aber ich freue mich sehr darauf, ihn zusammen mit vielen Piraten auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen zu verbringen, und ich werde an diesem Tag außerdem für den Bundesvorstand kandidieren.

Gerade habe ich die Beantwortung des Fragebogens für die Kandidaten abgeschlossen. Die meisten Punkte, die meine Kandidatur betreffen, sind dort ausführlich dargelegt. Mein Blog möchte ich daher nur nutzen, um noch ein paar persönliche Gedanken zu äußern.

Natürlich übt ein Platz im Bundesvorstand einen gewissen Reiz aus. Das kann niemand abstreiten. Aber als die ersten Piraten begannen, mich darauf anzusprechen, ob ich kandidieren will, reagierte ich zunächst mit Entsetzen. Ich weiß sehr genau, welch riesige Verantwortung mit diesem Amt verbunden ist, wenn man die Arbeit wirklich gut machen will. Man ist die Zielscheibe für unzählige Angriffe, sei es von außerhalb oder auch aus den Reihen der Partei. Und wie hart diese Angriffe manchmal sind, dürfte für die wenigsten aktiven Parteimitglieder ein Geheimnis sein. Aber trotzdem begann ich, mich mit dem Gedanken der Kandidatur auseinanderzusetzen. Da ich nahezu alle Vorstandskonferenzen besucht habe und auch zu den derzeitigen Vorstandsmitgliedern teilweise guten Kontakt habe, ist mir klar, was mich erwartet. Abschließend bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich den Aufgaben gewachsen bin.

Es gibt leider kein Patentrezept, mit dem man die Piratenpartei auf den richtigen Weg bringen und halten kann. Es ist schon nahezu unmöglich, diesen Weg überhaupt zu definieren. Dazu sind unsere Mitglieder teilweise zu überzeugte Individualisten, was ich aber nicht als negativ empfinde. Im Gegenteil, diese uns auszeichnende Eigenschaft bietet ein riesiges Potential, welches nur richtig genutzt werden muss.

Was in meinen Augen dafür am dringendsten nötig wäre, ist eine deutliche Verbesserung unserer Zusammenarbeit. Und damit meine ich die aller Piraten, sei es zwischen einzelnen Mitgliedern, zwischen den Landesverbänden oder zwischen der sogenannten Basis und den Vorständen. Wenn eine solche Zusammenarbeit in der Vergangenheit funktioniert hat, waren die Ergebnisse nahezu jedes Mal ein Erfolg. Doch gerade von einzelnen Mitgliedern des jetzigen Bundesvorstandes gab es diesbezüglich wenig Ambitionen. Teilweise wurden selbst die kleinsten Erwartungen nicht erfüllt. Im Gegenteil, es wurden sogar Fakten geschaffen, die uns stärker voneinander getrennt haben. Wäre es anders gelaufen, könnten wir schon viel weiter sein und etliche Probleme hinter uns gelassen haben.

Da es mir sehr viel Freude bereitet, gemeinsam mit vielen Piraten Konzepte zu erarbeiten, Ideen umzusetzen und mir ihre Meinungen und Gedanken anzuhören, bin ich überzeugt, dass ich unsere Partei als Mitglied des Bundesvorstandes im Bereich Zusammenarbeit deutlich voranbringen könnte. Wir müssen lernen, als Team zu agieren, um stark zu sein. Und das ist auch möglich, ohne einzelnen Gruppen ihre Individualität zu nehmen oder von oben herab zu bestimmen.

Bisher habe ich mich in meiner Tätigkeit als Bundespressekoordinator vorrangig darauf konzentriert, durch Pressemitteilungen und Öffentlichkeitsarbeit unser Bild bei den Bürgern zu verbessern. Natürlich war es keinesfalls nur mein Verdienst, sondern ich danke an dieser Stelle allen engagierten Piraten, dass wir uns diesem Ziel deutlich nähern konnten. Wir werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen und unsere Themen finden auch langsam den Weg in die Köpfe der etablierten Politiker. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel und ich möchte als Vorstandsmitglied mit aller Kraft helfen, dass wir uns ihm weiter nähern.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Baustellen innerhalb der Partei, auf die ich jetzt nicht einzeln eingehen kann. Aber ich kenne sie nahezu alle, und ich möchte gern in einem neugewählten Vorstand zusammen mit allen Parteimitgliedern die bestmöglichen Lösungen finden, um diese nach und nach zu beseitigen.

Sollte ich nicht gewählt werden, bricht für mich keine Welt zusammen. Ich werde weiter mit vollem Einsatz für die Partei tätig sein, auch wenn sich die Umsetzung vieler Ziele dadurch natürlich erschwert. Ich habe sehr viel Freude an meiner Arbeit und daran wird sich nichts ändern.

Ich hoffe nur, dass sich die Piraten bei der diesjährigen Vorstandswahl nicht von den Auftritten einzelner Kandidaten blenden lassen, ohne sich zu fragen, ob eine gute Selbstdarstellung sie für eine Position im Vorstand qualifiziert. Ich bitte jeden Piraten, sich die Umgangsformen der Kandidaten und ihr bisheriges Engagement für die Partei genau anzuschauen und besondere Vorsicht bei Last-Minute-Kandidaten walten zu lassen. Vertraut nicht eurem ersten Eindruck, es geht um zuviel. Tut mir und euch selbst den Gefallen und wählt einen Vorstand, bei dem ihr euch vorstellen könnt, dass er seine Aufgaben auch wahrnehmen wird und nicht nur gut reden kann und einen repräsentativen Posten haben will.

Die Piratenpartei ist neben meinem privaten Umfeld zum wichtigsten Bestandteil meines Lebens geworden und ich möchte sie nie mehr missen. Die zahlreichen Ecken und Kanten gehören für mich mittlerweile dazu. Auch wenn sie manchmal sehr anstrengend sind und viele Nerven kosten, machen sie in gewisser Weise unseren Charme aus.

Falls mir bei der Wahl das Vertrauen unserer Mitglieder ausgesprochen wird, verspreche ich, dass ich stets bemüht sein werde, meiner Aufgabe gerecht zu werden, damit so viele Piraten wie möglich mit mir und meiner Arbeit zufrieden sind. Es allen recht zu machen ist und bleibt eine Illusion. Da mir Transparenz sehr wichtig ist, werde ich gegebenenfalls dieses Blog dafür nutzen, um die Arbeit im Vorstand zu protokollieren. Es ist nur fair, dass ich jedem Interessierten die Möglichkeit biete, sich ein Bild über unsere Arbeit zu machen.

Da ich vermutlich aufgrund eines Berges an Piratenarbeit vor dem Bundesparteitag nicht mehr dazu kommen werde, erneut in mein Blog zu schreiben, wünsche ich an dieser Stelle allen Piraten, die nach Bingen kommen werden, ein erfolgreiches und schönes Wochenende. Ich hoffe, dass dieser Parteitag uns alle ein wenig vereint und die Partei weiter voranbringt. Außerdem freue ich mich darauf, viele Piraten persönlich zu treffen, die ich bisher nur durch das Internet kenne und mit ihnen die größte Geburtstagsparty meines Lebens zu feiern.

Abschließen möchte ich mit dem Auszug aus einem Tweet eines befreundeten Piraten bezüglich meiner Kandidatur:

Veränderung B(r)ingen

 
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Posted in: Bundesvorstand, Piratenpartei

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